fühlen.

Abschied und Neubeginn

Es heißt ja bekanntlich, dass Abschied und Neubeginn nahe beieinanderliegen.

Das eine findet selten ohne das andere statt. Ich befinde mich schon sehr lange in der Abschiedsphase. Den Neubeginn sehe ich, auch zwei Wochen vor Reisebeginn, noch sehr verschwommen vor mir. Ich kann es mir noch nicht richtig vorstellen, wie mein neues Leben tatsächlich aussehen wird.

Ich habe mein Leben in Stuttgart für diese Reise aufgegeben. Ich gehöre zu den Menschen, die aus irgendeinem Grund das Gefühl haben, eine Pause reicht nicht aus. Nein, die Karten müssen nochmal neu gemischt werden. Ich habe meinen Job gekündigt, meine Wohnung aufgegeben und meinem Kaninchen eine liebevolle Heimat gesucht. Leicht gefallen ist es mir nicht, denn – um ehrlich zu sein – war das Leben dort nicht schlecht: Ich habe meine Altbauwohnung geliebt, bin gerne zur Arbeit gegangen und habe ein paar liebe Menschen um mich gehabt. Als Halb-Schwäbin habe ich die Stadt, den Wasen, die Maultaschen, die Genauigkeit und auch die Kehrwoche irgendwie liebgewonnen. Und trotzdem – es fühlte sich einfach noch nicht richtig an.
Bin ich mir sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe? Nein. Aber wenn ich es nicht wage, werde ich es auch nicht wissen. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich diesen Blog strukturiere und kam dabei zum Entschluss, dass eine Kategorie nicht fehlen sollte: fühlen. Ein Verb, dem ich lange Zeit wenig Beachtung geschenkt habe. Der Kopf durfte viel zu viel entscheiden.

Auch jetzt hätte er vernünftigeres mit mir vor. Finanzielle Sicherheit, Sesshaftigkeit, Kinder und Nähe zu Familie und Freunden sind ja durchaus Dinge, die für mich als fast Dreißigjährige interessant sein könnten. Oder nicht? Doch was ist, wenn ich einfach noch nicht genau weiß, was ich eigentlich will? Dann muss das Bauchgefühl her.

Natürlich muss dafür nicht jeder eine Weltreise unternehmen. Manchmal passiert es ganz nebenbei, dass einem klar wird, was man möchte oder nicht möchte. Ich spürte, dass mir eine Reise dabei hilft. Ich habe in meiner Vergangenheit schon viel im Ausland gelebt und reisen ist ein fester Teil von mir. Es gibt mir Kraft. Am meisten liebe ich es, irgendwo anzukommen und nicht zu wissen, was auf mich zukommt, mich dann langsam zurechtzufinden, neues Essen zu probieren und einfach die Menschen zu beobachten. Ich habe Freude daran und traue es mir zu – auch alleine. Ich werde Tag für Tag entscheiden, was ich tun möchte. Die Zeit ist reif, mich selbst besser kennenzulernen.

Ich freue mich auf neue Eindrücke, Impulse und gute Unterhaltungen. Ich bin neugierig und möchte einfach beobachten, aufnehmen und lernen. Ein lieber Mensch hat mal zu mir gesagt: „Man wird nie genau wissen, wie die Welt funktioniert. Aber man kann versuchen, sich und die Welt besser zu verstehen“.

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