erleben.

Meine Ayurveda-Kur in Indien

Seit vielen Monaten habe ich Lust auf eine Ayurveda-Kur, ohne wirklich zu wissen, auf was ich mich da eigentlich einlasse.

Ganz fremd ist es mir nicht – ich habe vor knapp zehn Jahren schon zwei Ayurveda-Massagen in Indien ausprobiert. Damals hat mich der Hintergrund noch nicht interessiert. Die Massagen habe ich als eher unangenehm empfunden, denn die ayurvedischen Öle waren (bei der Hitze) einfach nur klebrig. Jetzt will ich es nochmal genau wissen. Ich möchte verstehen, was Ayurveda, in Sanskrit „Wissen vom Leben“, überhaupt bedeutet und wie es heilsam wirken kann. Auf die Idee kam ich durch die Reisebloggerin Janine (www.bereisediewelt.de), die ausführlich von ihrer Ayurveda-Kur in Südindien erzählt. Ihre Erfahrungen haben mein Interesse geweckt.


Leben beschreibt im Ayurveda das Zusammenwirken von Körper, Seele, Geist und Umwelt.
Ayurveda ist eine ganzheitliche Lehre, die auf den drei „Doshas“, Vata, Pitta und Kapha, beruht. Jeder Mensch hat eine individuelle Dosha-Konstitution. Sind die Energien im Gleichgewicht, ist der Mensch gesund, ihr Ungleichgewicht kann jedoch zu Krankheiten führen. Ausgelöst wird das Ungleichgewicht durch schlechte Ernährung, Veranlagung, Stress, Lebensweise, Lebensalter, Klima usw. Ayurveda setzt auf den eigenverantwortlichen Menschen, der versteht, dass Gesundheit ein Zustand ist, für den er selbst etwas tun muss. Behandelt wird über gesunde Ernährung, Pflanzenheilmittel, Ganzkörper-Ölmassagen, Wärmedampfbäder, Einläufe, aber auch Yoga-Übungen und Meditation.

Für die meisten Inder hat Ayurveda nichts mit Luxus zu tun. Der stationäre Aufenthalt in einer Ayurveda-Klinik hat mich jedoch wenig gereizt. Ich habe mir etwas ausgesucht, das Ayurveda und Urlaub miteinander verbindet: das 4-Sterne Somatheeram Ayurveda Resort.
Bei meiner Ankunft werde ich also mit Blumenkranz und ayurvedischem Getränk empfangen. Ein Bungalow-Upgrade gibt’s auch noch, einfach so. Kurz darauf werde ich von zwei Ärztinnen untersucht. Anhand eines ausführlichen Fragebogens stellen wir zusammen meine „Dosha“- Konstitution fest und besprechen, was für eine Kur für mich geeignet ist. Da ich keine konkreten Beschwerden habe, sondern eher vorbeugen und entspannen möchte, macht das „Rejuvination Programm“ bei mir am meisten Sinn. Hier stehen Entgiftung und Entspannung an erster Stelle.

Mein Tagesablauf sieht also folgendermaßen aus: Ich stehe um 9 Uhr auf und frühstücke in Ruhe, habe um 10 Uhr ein kurzes Check-Up beim Arzt, gehe um 10:15 Uhr zum Yoga-Unterricht und anschließend um 12 Uhr zu meiner täglichen Ayurveda Behandlung. Diese dauert täglich zwei Stunden und ist sehr abwechslungsreich. Nachmittags gehe ich zum Mittagessen, entspanne am Pool, mache einen Strandspaziergang, schaue mir den Ort an oder hänge einfach in der Hängematte ab. Meditation gibt es um 16 Uhr. Ein ausgiebiges Buffet am Abend mit täglicher Live-Musik rundet den Tag ab. Mit der Zeit lerne ich ein paar Leute kennen und freue mich auf den Austausch beim Abendessen.

Die Tage bauen aufeinander auf. So beginnt meine erste Behandlung mit einer langen Ölmassage, die den Körper entgiften soll. Am zweiten Tag werde ich von zwei Damen synchron mit heißer Milch übergossen. Ein Wärmedampfbad mit anschließender Massage findet am dritten Tag statt. Ein Kräuterpeeling wird am vierten und fünften Tag vorgenommen. Täglich bekomme ich auch eine Gesichtsbehandlung mit Druckmassage, Peeling und Maske. Die Therapeuten achten sehr darauf, dass ich mich wohlfühle und alles in Ordnung ist. Der traditionelle ayurvedische Stirn-Ölguss darf natürlich auch nicht fehlen. Ab dem sechsten Tag wiederholen sich die Anwendungen größtenteils.


Zimperlich sollte man bei den Massagen nicht sein, denn sie sind nicht gerade sanft. Man sollte auch keine Berührungsängste haben, denn man wird überall angepackt – nackt.

Die innere Reinigung spielt auch eine zentrale Rolle: Am fünften Tag trinke ich ayurvedisches Öl und bin selbst über die Wirkung überrascht (Details erspare ich euch an der Stelle). Ayurveda-Experten schwören auf „Ghee“, eine Art geschmolzene Butter, die während der Kur täglich in irgendeiner Form zum Einsatz kommt – als Getränk, Einlauf oder Augenbehandlung. Letzteres spielt sich folgendermaßen ab: Es wird eine Art Gefäß um meine Augen gestülpt, die warme Butter wird langsam hineingefüllt. Ich muss fünf bis zehn Minuten lang immer wieder die Augen öffnen, um die Wirkung der Butter aufzunehmen. Danach sehe ich stundenlang verschwommen. Die Anwendungen soll die Sehkraft verbessern.

Mein Fazit

In den ersten Tagen ist der Genuss unbeschreiblich. Die Massagen mag ich und die ayurvedischen Öle fühlen sich gut an. Mein persönliches Highlight sind die Milchbäder à la Kleopatra. Ich habe das ganze Ärzte- und Therapeutenteam als sehr aufmerksam und liebevoll empfunden. Man kann also ruhig auch sagen, wenn man etwas auslassen möchte. Das Essen haut mich die ersten Tage völlig um – so eine Vielfalt habe ich selten gesehen. Ich wusste im Voraus nicht, dass eine Ayurveda-Kur rein pflanzlich ist. Ich, als große Fleischliebhaberin, nehme die Herausforderung gerne an und stelle fest, dass es mir gut schmeckt und ich in den ersten Tagen nichts vermisse. Ich haue ordentlich rein, und nehme dabei auch noch ein bisschen ab.

Nach zwei Tagen spüre ich bereits die Wirkung des Öls. Meine Haut fühlt sich weicher an, kleine Pickelchen verschwinden, Rötungen werden weniger auffällig. Mein Gesicht wirkt irgendwie strahlender. Ich fühle mich fit. Ich erfreue mich eigentlich viel zu wenig an meiner guten Gesundheit – ich hatte keinerlei Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Kreislaufprobleme. Das tägliche Yoga macht mir Spaß und ich genieße die regelmäßige Bewegung. Mit der Meditation kann ich mich leider auch nach ein paar Versuchen nicht anfreunden. Das Thema Meditation gebe ich aber nicht auf, da es mich interessiert. Ich nehme mir vor, es zu einem späteren Zeitpunkt meiner Reise nochmal zu versuchen. Mir gefällt der ständige Regen und die Gemütlichkeit, die vielen Bücher in der Hängematte. Da mein Laptop bereits am ersten Reisetag den Geist aufgibt, bleibt mir auch nichts anderes übrig. Das ist für mich durchaus eine interessante Erfahrung, da Filme normalerweise ein fester Bestandteil meines Lebens sind. Vielleicht ist es jetzt gerade aber ganz gut so.

Nach knapp einer Woche Kur werde ich unruhig. Ich entspanne so viel, eigentlich tu ich nichts anderes, und langsam macht es mich hibbelig. Das ärgert mich, aber ich kann es nicht ändern. Ich kann mich immer weniger auf die Entspannungsmomente und das Yoga konzentrieren. Die ersten Gedanken an die Zeit danach machen sich breit – was werde ich nur alles erleben? Das Essen stellt mich nicht mehr zufrieden. Ich will Fleisch. Oder Fisch. Egal.

Die Kur ist für mich eine tolle Erfahrung, nicht immer nur angenehm, aber es fühlt sich rund an. An einigen Stellen bemerke ich einen Unterschied, so zum Beispiel an meiner Haut. Mit der Augen-„Ghee“-Anwendung kann ich auch im Nachhinein nicht so viel anfangen. Ich lerne, dass auch der größte Luxus schnell zur Gewohnheit wird. Zehn Tage reichen für mich aus. Viele, die ich hier kennengelernt habe, sind für drei Wochen im Resort. Eine Ayurveda-Kur ist keine billige Angelegenheit, aber manchmal, so finde ich, muss man abwägen, was einem wichtig genug ist – und sich das dann auch mal gönnen! Kleiner Tipp am Rande: Eine Buchung während der Monsunzeit, die für die Ayurveda-Anwendungen sowieso am effektivsten sein soll, ist deutlich günstiger.

Ich verstehe Ayurveda deutlich besser, für mich ist das ganzheitliche Konzept stimmig. Ich weiß leider, dass ich nach der Kur bestimmte Aspekte (vegetarische Ernährung, Yoga) vernachlässigen werde. Ich glaube aber, dass das Wissen an sich schon eine deutliche Bereicherung ist, und ich schließe auch nicht aus, dass ich irgendwann nochmal wiederkomme.

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